Vorträge & Workshops
Vorträge
Mag.a Dr.in Christina Dietscher
Gesundheitskompetenz ist in den letzten Jahren zu einem sehr präsenten Begriff geworden. Studien legen nahe, dass gute Gesundheitskompetenz zu besseren Lebensstilentscheidungen, zu mehr Gesundheit und Lebensqualität beiträgt. Leider zeigen die Daten der ersten europäisch-vergleichenden Befragung zur Gesundheitskompetenz, dass große Teile der Bevölkerung von mangelnder Gesundheitskompetenz betroffen sind. Vor diesem Hintergrund wird der Vortrag auf folgende Fragen eingehen: Was genau versteht man eigentlich unter Gesundheitskompetenz? Warum ist sie für Gesundheit wichtig, welche Rolle spielt sie in der Krankenversorgung, welche in Gesundheitsförderung und Prävention? Wie kann man sie verbessern, und was passiert dazu in Österreich?
Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Alexandra Schosser, PhD, MBA
Aufgrund unserer biographischen Erfahrungen entwickeln wir sog. Schemata, die unser Verhalten im weiteren Lebensverlauf stark beeinflussen. Neurobiologisch sind dies im Rahmen unserer biographischen Erfahrungen häufig gleichzeitig aktivierte Neuronengruppen, welche durch die gemeinsame Aktivierung fester miteinander verbunden werden und in weiterer Folge auch leichter auf Auslösereize reagieren (z.B. wiederholte Erfahrung in der Kindheit vernachlässigt zu werden und dadurch erhöhte Sensibilität in Bezug auf geringste Anzeichen von Vernachlässigung in späteren Partnerschaften). Durch diese Schemata werden neue Informationen in die bereits angelegten Bahnen „gezogen“, wir sehen was wir kennen und tun was wir bereits immer getan haben – es entwickeln sich stabile Wahrnehmungs- und Verhaltensgewohnheiten. Ausgeprägte Schemata erhöhen das Risiko psychische Erkrankungen zu entwickeln und erhalten diese auch oft aufrecht. Neue therapeutische Ansätze zur Bearbeitung dieser Schemata bei chronisch verlaufenden psychischen Erkrankungen werden gegenwärtig auch in der ambulanten psychiatrischen Rehabilitation etabliert.
Prim.a Dr.in Claudia Francesconi
Stoffwechselerkrankungen im Speziellen Typ 2 Diabetes sind durch zwei Besonderheiten ausgezeichnet – man spürt sie nicht und sie führen unbehandelt bzw. schlecht eingestellt ins gesundheitliche Desaster. Ein wesentlicher Teil zur Lösung des Problems ist die Disziplin und Mitarbeit der PatientInnen, welche wesentlich, wenn auch nicht nur, von einer entsprechenden Schulung abhängt.
Prof. Dr. rer. pol. Christian Schäfer
Als „Compliance“ oder „Adhärenz“ wird die Bereitschaft und Fähigkeit der PatientInnen bezeichnet, in Kooperation mit den BehandlerInnen gute Therapie- und Gesundheitsergebnisse zu erzielen. Die klassische Rollenverteilung zwischen ÄrztInnen, TherapeutInnen, ApothekerInnen und PatientInnen wird aufgebrochen, wobei die Patientinnen zum Mitentscheider bei allen Gesundheitsfragen werden. Vor dem Hintergrund einer stärkeren Integration der PatientInnen in den medizinischen Entscheidungsprozess steigt das Interesse für ein tieferes Verständnis des PatientInnenverhaltens. Aufbauend auf der Theorie des Health Belief Modells (HBM) werden empirische Ergebnisse zu den Erfolgsfaktoren des Therapietreueverhaltens im Umgang mit einer medikamentösen Therapie präsentiert.
Dipl.-Ing. Dr. Johannes Kropf
Aufgrund der demographischen Entwicklung steigt der Stellenwert chronischer Erkrankungen in unseren Breiten stark an. EU-weit werden aktuell etwa 70 bis 80 Prozent der Gesundheitsbudgets für die Behandlung chronische Erkrankungen aufgewendet, landesweite Präventionsprogramme unterstützen dabei, dem weiteren Anstieg chronischer Beschwerden entgegenzuwirken. Auslöser für diese Beschwerden ist sehr oft ein ungesunder Lebensstil bzw. die damit verbundenen Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Alkohol, Stress etc.
Digitale Technologien können hier einen signifikanten Beitrag zur Führung eines aktiveren bzw. gesünderen Lebensstils leisten. Virtuelle Coaches vereinen multidisziplinäres Expertenwissen in einem System und machen dieses Wissen so einer großen Masse an Menschen kostengünstig zugänglich. Wie effektiv diese Systeme wirklich sind ist Gegenstand aktueller Forschung und hängt sehr stark von der Fähigkeit der Technologie ab, sich an die Bedürfnisse und an die Persönlichkeit der BenutzerInnen anzupassen.
Workshops
Sabine Benczur-Juris & Mag.a Alexandra Benn-Ibler, MAS
„Gesundheit“ ist auf der Wunsch-Hitliste eindeutig die Nr. 1. Die tatsächliche Umsetzung von gesundheitsrelevantem Verhalten durch Bewegung stellt sich dagegen häufig anders dar. Es ist nicht immer ganz einfach für sich selbst gesundheitsfördernde Strategien zu entwickeln und umzusetzen. Denn die Motivation zu einem bewegungsfördernden Verhalten ist durch Werte und Normen unserer Gesellschaft stark geprägt und dabei doch für jedeN von uns sehr individuell. Wo liegt nun der Schlüssel zum „Bewegungserfolg? An Hand des transtheoretischen Modells, Beispielen aus der Praxis und Übungen zur Eigenerfahrung soll aufgezeigt werden, wie die Adherenc in Bezug auf die Bewegungsimplementierung gesteigert werden kann. Wir wollen uns gemeinsam und doch jedeR für sich auf Entdeckungsreise zu den ganz persönlichen Gesundheitsressourcen begeben – und dies mit einer Prise Humor und Heiterkeit.
Nils Boettcher, BSc MA
Motivational Interviewing (MI) ist ein evidenzbasiertes Konzept, bei dem die Eigenmotivation der PatientInnen hervorgelockt und gestärkt wird. Es löst ambivalente Haltungen auf, unterstützt die Selbstverantwortung, die Selbstwirksamkeit und steigert das nachhaltige Umsetzen von Verhaltensänderungen. Die partnerschaftliche, personenzentrierte und zielgerichtete Vorgehensweise eignet sich hervorragend beim Selbstmanagement von chronischen Krankheiten. Dieser Workshop gibt einen Einblick in die praktische Anwendung.
Magdalena Einfalt, BSc & Johanna Rus, BSc
Motivation bedeutet mehr als nur Empfehlungen der PatientInnen gegenüber auszusprechen. In den seltensten Fällen mangelt es den PatientInnen an nötigem Wissen. Die dauerhafte Umsetzung stellt für viele jedoch die größte Hürde dar. Lebensstiloptimierungen oder medizinische Maßnahmen bedeuten Veränderung und Veränderung steht wiederum in engem Zusammenhang mit dem Verlassen der persönlichen Komfortzone. Warum „Angenehmes“ verändern? Es wird aufgezeigt, welche Methoden im Rehabilitationsbereich angewendet werden, um PatientInnen im Ernährungs-, Bewegungs- und im medizinischen Bereich dahingehend zu unterstützen, ihren Zielen näher zu kommen. Individualität und das „große Ganze“ steht dabei im Vordergrund. Zur Diskussion und Erarbeitung neuer Möglichkeiten für die Praxis wird eingeladen.
FH-Prof. Dr. Brian Horsak & Dipl.-Sporting. Dr. Mario Heller
Erkrankungen oder Verletzungen des muskuloskelettalen Bewegungsapparates können zu pathologischen Beeinträchtigungen der menschlichen Motorik führen und reduzieren so unsere Fähigkeit, mit der Umwelt zu interagieren und uneingeschränkt an sozialen Aktivitäten oder am Arbeitsmarkt teilzunehmen. Durch die kontinuierliche Digitalisierung der Gesellschaft und die laufenden technischen Weiterentwicklungen ergeben sich neue Möglichkeiten, um gemeinsam mit PartnerInnen aus dem Gesundheitswesen und der Industrie eine hochwertige Gesundheitsversorgung in den Bereichen Krankenversorgung, Gesundheitsförderung und Prävention zu gewährleisten. Im Rahmen des Workshops werden innovative Anwendungsmöglichkeiten von Virtual-, Augmented- und Tele-Applikationen und deren Einsatz in unterschiedlichen Settings vorgestellt, von Gesundheitsförderung bis hin zur Motorischen Rehabilitation. Der Workshop bietet Interessierten v.a. die Möglichkeit, diese Technologien aktiv auszuprobieren und erste Erfahrungen damit zu machen.
Petra Kozisnik, BSc, Mona-Lisa Riegler, BSc & Lukas Eder, BSc
Besonders im ländlichen Raum kommt es bei Kindern und Jugendlichen ist Österreich zu vermehrten Alkoholkonsum bereits vor dem 16. Lebensjahr. Ein evidenzbasiertes Alkoholpräventionsprogramm durchgeführt von School Nurses, sollte bei Kindern und Jugendlichen den bewussten und reflektierten Umgang mit Alkohol fördern und Bewusstsein für die Folgen und Risiken schaffen. Auf Grundlage des international erprobten und wissenschaftlich überprüften Project Northland wurde die Alkoholprävention an zwei Mittelschulen durchgeführt und an die dort vorherrschenden Rahmenbedingungen adaptiert. Der Workshop bietet Einblick in den Aufbau und Zielsetzung des Projektes sowie Erfahrungsaustausch und Diskussion mit den durchführenden Personen.
OA Dr. Andreas Mayer
Non-Adherence hat grundlegende Auswirkungen auf die Gesundheitskosten, aber in erster Linie auf den Krankheitsverlaufs bei den Erkrankten. Umso wichtiger ist es, die kurze Zeit des Kontaktes mit den PatientInnen für die Gesundheit zu nutzen. Non-Adherence erkennen, Therapietreue aufbauen, Therapiepläne nachhaltig gestalten – und das in 15 Minuten pro Visite. Geht das und wenn ja wie? Anhand von Beispielen aus der Praxis und der Erfahrung der TeilnehmerInnen, sowie mit strukturierten Rollenspielen sammeln wir Interventionen mit minimalem Aufwand und maximaler Wirkung für eine vorausschauende Therapieplanung.
Diana Leonora Michel, BSc MSc
Die zunehmende Komplexität und Fülle von Informationen zur Gesundheit ist ein wesentliches Merkmal der Gesundheitsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Der medizinische Fortschritt sowie die Auswahl an verschiedenen Dienstleistungen im Gesundheitswesen nehmen stetig zu und vervielfältigen das Angebot für KonsumentInnen des Gesundheitssystems. Überlegungen zur Gesundheit sind alltäglich, daher müssen laufend diesbezüglich Entscheidungen getroffen werden. Die Zunahme an Möglichkeiten verlangt somit bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten, um Gesundheitsentscheidungen adäquat und sinnvoll treffen zu können. In jenem Zusammenhang etablierte sich in den letzten Jahren der Begriff der Gesundheitskompetenz (health literacy) als wesentliches Konzept der Gesundheitsförderung (vgl. Kickbusch 2006: 67-69; Nutbeam 2000: 261, Riegler/Langmann 2011: 265). Seit der GuKG Novelle 2016 ist sie nun Teil der Kernkompetenz der Gesundheits- und Krankenpflege. Leben wir sie auch?
Mag.a Michaela Perner, BSc
Als PhysiotherapeutInnen reagieren wir mit einem engagierten Behandlungsangebot auf einen präsentierten Schmerz oder eine funktionelle Einschränkung von PatientInnen. Dabei stellt die Kommunikation den Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg im Gesundungsprozess dar. Die verbalen Äußerungen, die neben ÄrztInnen auch wir TherapeutInnen im therapeutischen Kontext mit auf den Weg geben, haben oft mehr Gewicht als das, was wir tun. Daher sollten wir uns der Sensibilität dieses wichtigen Themas in der Auseinandersetzung mit unseren PatientInnen bewusst werden. Die Dinge, die wir sagen, die Sprache, die wir verwenden und die Botschaft, die wir vermitteln haben oft einen wesentlichen Einfluss auf die Therapie und der Gesundung der PatientInnen. Neben unseren kommunikativen Kompetenzen spielt eine Vielzahl anderer Faktoren eine Rolle. Einer der nicht-spezifischen Faktoren ist dabei das Thema Kinesiophobie. Wir müssen uns dessen bewusst werden, dass wir verbal aber auch nonverbal unsere eigenen Beliefs transportieren und damit unsere PatientInneninteraktion massiv beeinflussen. Daher ist es unumgänglich, den eigenen Zugang zu Kinesiophobie kritisch zu hinterfragen. Diese Eigenreflexion hat im Alltag der schmerztherapeutischen Praxis wenig Raum. Aus Fehlern kann man aber immer auch lernen. In diesem Workshop versuchen wir, sie uns bewusst zu machen, damit wir sie an unseren PatientInnen nicht wiederholen müssen.
Christine Schmid, MA
Ein Schwerpunkt, welcher in nationalen sowie internationalen Gesundheitszielformulierungen seit Jahren beschrieben wird, gilt sogenannten „benachteiligten Gruppen“. Der Workshop „Gesundheitskompetenzförderung für alle?“ soll den TeilnehmerInnen Ideenanstöße zur Erreichbarkeit von sogenannten „hard-to-reach-Gruppen“ mit auf den Weg geben. Wo und wie können für Präventionsprojekte und Gesundheitskompetenzen-Förderung schwer zu erreichende Gruppen angesprochen werden? Wie können Projekte erfolgreich konzipiert und umgesetzt werden und welche Rolle spielen Prioritäten, Haltung und Partizipation? Selbstverständliches kritisch zu hinterfragen und Beispiele für erfolgreich erprobte Werkzeuge und Umsetzungsmöglichkeiten aus der Praxis kennen zu lernen sind Ziele dieses Workshops.
Kerstin Wimmer, BA
Im Kontext von Recovery und Empowerment rückte die Selbstbestimmung von Menschen mit psychischen Erkrankungen zunehmend ins Bewusstsein der Gesundheitsberufe, gerade auch was die Mitsprache bei der Auswahl der Medikation betrifft. Adherence-Therapie ist eine manualisierte Kurzintervention, die PatientInnen dabei unterstützt auf Augenhöhe mit den behandelnden Personen eine Entscheidung zu treffen und diese auch umzusetzen. Der Workshop greift die Besonderheiten in der Anwendung bei Kindern und Jugendlichen auf, wie z.B. die Problematik des Off-Lable-Use zahlreicher Medikamente oder den Einbezug von Erziehungsberechtigten. Zusätzlich wird das Projekt „Ich red‘ mit“ vorgestellt – Adherence-Therapie als Gruppenintervention.